Zwischen den Kriegen

Ein Jahrhundert “He löpt noch” Willen (Teil 2): Die Zwischenkriegsjahre 1919 bis 1939

Während des Ersten Weltkrieges kamen sportliche Aktivitäten in vielen Dörfern zum Erliegen. Auch nach Ende des Krieges konnte erst langsam wieder ein geregelter Alltag aufgenommen werden. Einen frühen Hinweis auf eine Fortführung des Vereinslebens bietet die Einberufung einer Generalversammlung zum 1. Oktober 1919, bei der auch die Neuwahl des Vorstands auf der Tagesordnung stand. Zugleich konnte der Verein im April 1920 erstmalig wieder zu einem „Großen Ball“ in das Vereinslokal einladen. Auch ist bekannt, dass die Willener Boßeler in diesen Jahren eine Vereinsfahne erhielten. Sie wurde von Frau Martha Janssen, geb. Hayen aus Kreyenburg (Mutter unseres Vereinsmitglieds Johannes Janssen) gestickt. Leider wurde die Fahne im Zweiten Weltkrieg bei einem Brand zerstört.

Aus sportlicher Sicht können für die ersten Zwischenkriegsjahre nun offizielle Wettkämpfe gegen andere Boßelvereine belegt werden. Hierbei scheinen insbesondere Vergleiche mit Nachbarvereinen einen besonderen Reiz ausgeübt zu haben. Am 22. Februar 1920 stand bei „herrlichem Wetter“ und „reger Beteiligung“ etwa ein Kräftemessen mit dem Boßelverein Wittmund zwischen dem Wittmunder Markt und dem „Hof von Hannover“ auf dem Programm. Die Kontrahenten traten dabei mit jeweils sechs Werfern an, um sich das „Wettobjekt“ von 50 (Papier-) Mark zu sichern. Leider wusste der „Anzeiger“ am folgenden Tag von einem Sieg der Wittmunder um drei „Wurflängen“ zu berichten. In einer Tage später veröffentlichten Anmerkung der Willener wurde zwar zunächst der Gesamtsieg des Gegners anerkannt. Der „Gerechtigkeit willen“ wurde seitens „He löpt noch“ aber darauf verwiesen, dass in einem anschließenden Stechen der zwei besten Einzelwerfer der eigene Vertreter nach zehn Würfen um mehr als einen ganzen Wurf vor dem Wittmunder gelegen hatte.

Für ähnliche Spannung dürften bereits in diesen Jahren auch Aufeinandertreffen zwischen Ardorf und Willen gesorgt haben. So geht aus einem erhaltenen Ardorfer Protokollbuch hervor, dass unser Verein im Frühjahr 1921 von „Free herut“ zu einem Boßelwettkampf um 100 (Papier-) Mark herausgefordert wurde. Ein Jahr später ist an gleicher Stelle von einer Herausforderung durch die Willener zu einem Revanchekampf die Rede. Zumindest eine der ersten Auseinandersetzungen scheinen somit unsere Nachbarn für sich entschieden zu haben. Mehr Wurfglück hatten Willener Werfer dagegen im Frühjahr 1926, als sich beim Preiswerfen in Burhafe sowohl Wilhelm Hayen im Boßeln als auch Wilhelm Ahlrichs im Klootschießen in ihren Klassen gegen zahlreiche Mitbewerber durchsetzten. Insgesamt haben sich in diesen ersten Jahrzehnten zahlreiche Mitglieder in den Ergebnislisten vergleichbarer Wettkämpfe verewigt und dabei mitunter beachtliche Ergebnisse erzielt.

In welcher Form das Vereinsleben in den ersten Jahren unter nationalsozialistischer Herrschaft fortgeführt wurde, ist dagegen kaum einzuschätzen. Gut möglich ist, dass erst der deutsche Einmarsch in Polen im September 1939 für „He löpt noch“ einen Wendepunkt in der Geschichte darstellte. Nun sollte der Verein bedingt durch den Weltkrieg und die Wirren der frühen Besatzungsjahre für ein Jahrzehnt in der Versenkung verschwinden…

Quelle: Vereinschronik zum 100-jährigen Jubiläum

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